360 Grad Feedback erklärt (Mit Schritt für Schritt Anleitung)

Feedback ist inzwischen in aller Munde. Wenn wir große Schritte in unserem Leben vornehmen, ganz gleich ob es ein zweites Studium,  die Verlobung mit dem langjährigen Partner  oder eine neue Anstellung ist, dann suchen wir nach Bestätigung. Hat man die Wahl zwischen Option A oder Option B hat man auch die Wahl zwischen verschiedenen Nach- und Vorteilen und das Resultat dieser Überlegungen nennt man dann Dissonanz. Um diese Dissonanz in unserem Kopf loszuwerden, dann müssen wir Entscheidungen fällen und Gründe suchen, welche gegen oder für eine andere Alternative sprechen. Das Feedback ist dabei nur eine Möglichkheit, unserer eigenen Intuitions- und Gefühlswelt etwas mehr Ausdruck zu verleihen. Die Methode der Wahl ist dabei das 360 Grad Feedback.

Was ist 360 Grad Feedback?

360 Grad Feedback, auch als  360 Grad Beurteilung oder kurz 360° Feedback genannt,  ist eine Methode zur Einschätzung der Leistungen und Kompetenzen  von Führungs- und Fachkräften aus unterschiedlichen Perspektiven wie z. B. aus dem Blickwinkel der Kollegen, Mitarbeiter,  Vorgesetzten, Kunden oder Teammitglieder.  Hinzu kommt die Selbsteinschätzung.

Das 360° Feedback ist eine der wirksamsten Methoden zur Verbesserung und möglichst objektiven Einschätzung  von Führungs- und Managementkompetenzen. Das primäre Ziel ist die Diagnose sowie  Weiterentwicklung von Führungs- und Managementkompetenzen.

Woher kommt 360 Grad Feedback?

Seit Mitte der 90er Jahre werden 360 Grad Feedback Verfahren verstärkt zur Erweiterung bisheriger Top Down Beurteilungen von Mitarbeitern ausschließlich durch ihre Vorgesetzten in Richtung einer mehrperspektivischen Beurteilung diskutiert. Dies knüpft an organisationspsychologische Überlegungen, interessierende Merkmale aus verschiedenen Perspektiven mit verschiedenen Methoden zu erheben.

Ablauf eines 360 Grad Feedbacks

Ein Coachingprozess mit der 360-Grad-Feedback-Methode umfasst folgende Schritte:

  • Auswahl der Zielgruppe und Ziele (beispielsweise Projektleiter, Potenzialträger, Führungskräfte)

Zum Beispiel: Soll die Führungskraft auf die Übernahme von mehr Verantwortung vorbereitet werden? Sollen die derzeit ausgeübten Kompetenzen der Führungskraft verbessert werden?

  • Festlegung der Kompetenzen
  • Auswahl eines validierten Fragebogens
  • Einrichtung der Software
  • Durchführung der Online Befragung einschließlich Betreuung aller Teilnehmer durch eine Hotline
  • Gegebenenfalls Einbeziehung des Betriebsrates 
  • Analyse der Ergebnisse in einem Auswertungsbericht
  • Rückmeldung: Interpretation der Ergebnisse
  • Erarbeitung eines Konzeptes zur Kommunikation der Ergebnisse an die Feedback Geber (Vorgesetzte, Mitarbeiter oder Kollegen) durch den Feedback Nehmer
  • Auswertung der Ergebnisse zur summarischen Information der  Personal- und Geschäftsleitung 
  • Ableitung von Entwicklungsmaßnahmen 
  • Durchführung von Maßnahmen zur Erfolgskontrolle

Die Gestaltung des Fragebogens

Der Fragebogen sollte Kompetenzen enthalten, welche durch zielbezogene, realistische Verhaltensbeschreibungen validiert sind. Man kann  Motive und Persönlichkeitsmerkmale wie z. B. Optimismus, Ehrgeiz,  Begeisterungsfähigkeit, Streben nach Status,  Unabhängigkeit und Wissbegierde verändern.

Feedbackgeber müssen anonym bleiben

Die Anonymität der Beteiligten ist einer der wichtigsten Faktoren für brauchbares Feedback. Es muss sichergestellt sein, dass einzelne Antworten nicht einzelnen Feedback Gebern zugeordnet werden können.

Welche Themen sind von Interesse?

360 Grad Feedback umfasst mehrere verschiedene Dimensionen der Beurteilung. Abzufragende Aspekte zur Einstufung der beurteilten Person können z. B. sein:

·       Führungsstil

·       Kommunikationsfähigkeit

·       Konflikt- und Kritikverhalten

·       Zusammenarbeit

·       Fachkompetenz

·       Unternehmerisches

·       Innovationsstreben

·       Motivation

·       Fähigkeit zur Delegation

·       Produktivität

·       Teamgeist

·       Ergebnisorientierung

Fazit

Für den Erfolg von 360 Grad Feedback müssen einige Weichen gestellt worden: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, der Zweck klar definiert ist und der Fragenkatalog inhaltlich überzeugend, stellt 360 Grad Feedback ein starkes Tool für die Weiterentwicklung von Führungs- und Fachkräften dar. Wenn 360 Grad Feedback intensive und gute Vorbereitung sowie  den richtigen Umgang benötigt, dann kann es für jede Führungskraft von immenser Wichtigkeit sein.